Eiweiß und Kohlehydrate

von Wolfgang Mallin (Kommentare: 0)

Ableger macht eher rückwärts als vorwärts :-(
Ableger macht eher rückwärts als vorwärts :-(

Bei der gestrigen Durchsicht der Ableger gab es betroffene Gesichter bei unseren Neuimkerinnen und Neuimkern. Einige Ableger sind auffällig schwach, zeigen keine Entwicklung. Ich stelle das seit geraumer Zeit ebenfalls bei meinen Ablegern fest. Betroffen sind überwiegend Ableger die später gebildet wurden (z.B. im Juni).

Nebenstehendes Bild vom 04.09.2020 zeigt einen meiner Ableger, der am 18.06.2020 gebildet wurde - also vor 78 Tagen, also 11,14 Wochen, also 2,78 Monaten - oder anders gesagt müssten mittlerweile drei Brutsätze geschlüpft sein, wenn man für die Zeit vom Zusetzen bis zur Eilage der Königin 14 Tage abzieht. Beweiselt wurde dieser Ableger mit einer Königin aus einer Nachzucht mit der Kirchhainer Königin, die unser Verein dieses Jahr gekauft hat. Also eigentlich gutes Material. Futter gab's wöchentlich in kleinen Portionen, Hunger gab's also nie.

Trotzdem geht es mit dem Ableger nicht vorwärts. Warum ist das so?

Eine "Blüh"-Fläche für Insekten - auf der nix blüht (08/2020). Es fehlt das Wasser!
Eine "Blüh"-Fläche für Insekten - auf der nix blüht (08/2020). Es fehlt das Wasser!

Die Lage, die Lage und nochmal die Lage...

Zur Brutentwicklung brauchen die Bienen Eiweiß, um Futtersaft für die Larven herstellen zu können. Dieses Eiweiß beziehen sie aus Pollen, den sie von blühenden Pflanzen sammeln. Blühende Pflanzen - genau da fängt das Problem an...

Das Futter, welches man im Moment den Bienen für die Überwinterung gibt, besteht zu fast 100% aus Kohlehydraten (Zucker). Dieses Futter brauchen die Bienen um im Winter Wärme zu erzeugen - für die Versorgung der Brut bringt es nichts.

Mitte August habe ich meine Ableger genauer untersucht und an zwei Bienenständen festgestellt, dass nicht eine einzige Zelle mit Pollen im Brutnest zu finden war. Die Larven lagen trocken, ich konnte keinen Futtersaft in den Brutzellen erkennen. An fehlendem Wasser kann es nicht gelegen haben, dass gib es auf jedem unserer Bienenstände. Zusätzlich hatte ich den Eindruck, dass die Bienen während der extrem heißen Tage die Brutaktivität eingestellt hatten.

Unter solchen Bedingungen kann sich kein Ableger entwickeln...

Nur an einem Bienenstand, da fand ich Pollen in den Völkern. Und dort konnte man eine Entwicklung der Ableger beobachten. Nicht dynamisch wie es sein soll - aber es ging aufwärts mit der Volksstärke. Dieser Bienenstand liegt in einer Gartenanlage, in der die Gartenbesitzer ihre Pflanzen gießen. Dies führte dann dazu, dass auch bei der brutalen Hitze blühende Pflanzen in den Gärten standen und ein Mindestmaß an Pollen verfügbar war.

Trocken und heiß über Wochen - bis alles vertrocknet ist.
Trocken und heiß über Wochen - bis alles vertrocknet ist

Das Wetter wird zur Herausforderung

Im Zeitraum von 27.06.2020 bis 30.08.2020 vielen noch nicht einmal 20 Liter pro Quadratmeter (Wetterstation Sachsenheim). Gleichzeitig gab es viele Tage mit über 30°C Tageshöchsttemperatur.

Diese langen Trockenperioden mit starker Hitze scheinen zur Normalität zu werden. Das ist nicht nur für die Forstwirtschaft katastrophal, dass könnte auch für uns Imker zu einer Herausforderung werden. Die früh gebildeten Ableger sehen zwar deutlich besser aus, aber das sind alles Sommerbienen die in den nächsten Wochen abgehen.

Die langlebigen Winterbienen werden in den Monaten August - Oktober ausgebrütet und genau in dieser Zeit sollte die Pollenversorgung gegeben sein, damit gesunde Winterbienen entstehen und sich die Bienen ein Fettpolster anfuttern können.

Ich jedenfalls werde die Konsequenz daraus ziehen und meine Ableger in Zukunft nur noch stadtnah oder an dem Bienenstand aufstellen, bei dem die Pollenversorgung dank Gartenliebhaber gewährleistet ist.

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