Endspurt (...oder Start?)

von Wolfgang Mallin (Kommentare: 0)

Fütterung mit Schälchen von Famileneispackungen und Schaumglassteinen - wir geben drei Liter Apiinvert pro Woche

Vielleicht denkt der oder die Eine oder Andere, dass wir jetzt im Endspurt der Saison sind - doch das ist ein Trugschluss. Der erfahrene Imker weiß, das wir jetzt den Grundstein für die Bienensaison 2022 legen. Die Spätsommerpflege entscheidet darüber

  • wie stark und gesund das Bienenvolk in den Winter geht
  • ob genügend Futterreserven für ein langes, kühles Frühjahr vorhanden sind
  • wie stark ein Bienenvolk in den Frühling des nächsten Jahres geht

Und deshalb ist die Spätsommerpflege so wichtig. Ende August sollte man den größten Teil des Winterfutters im Volk haben. Wer nach dem Abschleudern in mehreren kleinen Schritten gefüttert hat, der sollte jetzt prächtige Wirtschaftsvölker und starke Ableger haben. Bei uns hat sich die Fütterung mit jeweils etwa drei bis vier Litern pro Woche bewährt.

Wiegen schützt vor unschönen Überraschungen im Frühjahr

Füttern allein genügt aber nicht. Es muss auch kontrolliert werden, ob im Volk ankommt, was man oben rein leert. Da gibt es immer wieder Völker, die trotz Futtergabe nicht an Gewicht zunehmen und andere, die plötzlich bleischwer sind. Stille Räuberei ist keine Seltenheit und manche Völker sind so doof, dass sie sich ohne Gegenwehr das ganze Futter klauen lassen.

Hat man rund 2/3 des Winterfutters verfüttert, dann sollte man zur Zugwaage greifen und mal für Fakten sorgen. Ich garantiere - wer wenig Erfahrung hat, wird seine Überraschungen erleben. Bei den Völkern, die sich beklauen lassen, engt man das Flugloch (noch weiter) ein, oder man stellt sie gleich an einen anderen Standort. Man kann das natürlich auch laufen lassen und wenn man weiß, wer der Dieb ist, dann entnimmt man diesem im Herbst die prall gefüllten Futterwaben und gibt sie dem beklauten Volk zurück. In solch einem Fall lohnt es sich vielleicht sogar, dem Dieb ein zweites Magazin über ein Absperrgitter aufzusetzen, damit dieser schön fleißig die Futterwaben produziert.

Beim BV Besigheim e.V. empfehlen wir 18kg Winterfutter für Überwinterung auf einem Magazin und 25kg Winterfutter für Überwinterung auf zwei Magazinen. Und nochmal - es zählt nicht, was man rein schüttet, sondern was als eingelagertes Futter im Volk ankommt! Anfängern wird die Überwinterung auf zwei Magazinen empfohlen - sie ist die sicherere Methode.

Tipp - Als kleine Hilfestellung sei auf die Excel-Tabelle mit Leergewichten von zwei unterschiedlichen Beutensystemen verwiesen (siehe hier...). Wer andere Beuten hat, muss natürlich für sein Beutensystem die Leergewichte ermitteln.

Und natürlich die Varroa

Bei der Betriebsweise des BV Besigheim e.V. behandeln wir die Ableger erst Mitte September gegen Varroa. Wie die Jahre zuvor, zeigt sich auch dieses Jahr der September recht sommerlich und es sollte möglich sein eine wirksame Varroabehandlung mit AS durchzuführen.

6% sind die magische Zahl

Hat man eine wirksame Winterbehandlung der Wirtschaftsvölker durchgeführt und die Ableger mit wenigen Brutwaben gebildet, dann sollten die Ableger nicht zu stark mit Varroa belastet sein. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass ab einer Parasitierung von 6% der Brutzellen die Überwinterung des Volkes gefährdet ist. Während die Wirtschaftsvölker je nach Witterung ab Juli / August ihre Brutaktivität zurückfahren, ist dies bei Ablegern nicht der Fall.

Ein Ableger hat oft bis Ende September / Anfang Oktober noch beachtliche Brutleistung und damit nimmt der prozentuale Anteil der Varroamilben nicht in dem Maße überproportional zu, wie bei den Wirtschaftsvölkern. Deshalb kann aus Sicht des BV Besigheim e.V. mit der Sommerbehandlung der Ableger bis Mitte September gewartet werden, getreu dem Motto: "So viel wie nötig - so wenig wie möglich".

Wer wissen will, ob seine Varroabehandlung im Ableger wirksam war, dem empfehle ich jetzt - vor der Behandlung - den natürlichen Milbenfall zu zählen. Den Bodenschieber einschieben und nach drei Tagen die gefallenen Milben zählen, das schafft Klarheit. Man hat dann einen Indikator, was bei der AS-Behandlung fallen muss. Mehr wie eine grobe Hausnummer darf man nach unserer Erfahrung aber nicht erwarten, deshalb hier auch nur ein paar Hausnummern:

  • bis 5 Milben / Tag => geringe Varroabelastung
  • 5...10 Milben / Tag => mittlere Varroabelastung
  • über 10 Milben / Tag => hohe Varroabelastung

Wer meint bei unter 5 Milben pro Tag auf eine AS-Behandlung verzichten zu können, dem wünsche ich viel Glück. Manch einer hat das schon bitter bereut...

Varroa-Populationsdynamik - die magische 6%-Grenze

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