Ergebnisse Winterbehandlung

von (Kommentare: 3)

Zählen, zählen, zählen...

wir können es nicht oft genug wiederholen - die Winterbehandlung hat eine sehr wichtige Bedeutung bei der Bekämpfung der Varroamilbe. Insbesondere für Imker, die mit ihren Bienen auch Spättrachten (...Waldhonig) ernten wollen, ist sie entscheidend. Der Milbendruck im Volk bleibt bis Ende August nur erträglich (...sprich - ohne Folgeschäden), wenn man mit einer geringen Milbenpopulation in die (Honig-) Saison startet. Auch wer keine Spättrachten ernten möchte, der sollte doch daran interessiert sein, dass sich die Völker im neuen Jahr gesund entwickeln können.

Auch wenn's lästig ist - nur wer den Milbenfall nach der Winterbehandlung zählt, der hat ein klares Bild was in den Völkern los ist. Wir machen das mit einem Zähl-Klicker, was die Zählerei doch deutlich vereinfacht. Hilfreich ist auch, wenn man sich vor der Behandlung ein Viereck-Muster auf dem Bodenschieber anzeichnet - das Zählergebnis wird damit deutlich genauer.

Wir haben unsere Völker bei kühlen -3°C am 18.12.2022 behandelt und alle Völker saßen in einer engen Traube. Nach unserem Eindruck waren die meisten Völker nicht in Brut (=> kein oder sehr wenig Kondenswasser an der Folie). Auch ein paar Tage nach der Behandlung war es noch kühl und wir gehen daher bei der Berechnung der Restmilbenzahl im Volk von einem Wirkungsgrad der Behandlung von 95% aus.

Wir haben am 06.01.2023 den Milbenfall nach Behandlung bei den Völkern gezählt. Bekanntlich hat die OS-Behandlung eine Langzeitwirkung von bis zu 20 Tagen. In 2022 hatten wir bei extreme Situationen, die sich gegensätzlich auf die Entwicklung der Varroamilbe auswirken:

  • Im Juni/Juli war es sehr heiß und trocken. Viele Völker sind aufgrund der Hitze und fehlender Tracht aus der Brut gegangen => schlechte Vermehrungsbedingungen für die Varroa
  • Zum Zeitpunkt der Sommerbehandlung gab es plötzlich kühles und nasses Wetter, von einem guten Wirkungsgrad der Behandlung konnte nicht ausgegangen werden

Wir waren also sehr gespannt, was uns bei der Zählaktion erwarten würde. Und wie so oft waren die Ergebnisse krass unterschiedlich. Das hat in unserem Fall unterschiedliche Gründe:

  • Wir hatten einige Ableger aufgrund der schlechten Entwicklung aufgelöst und die Brutwaben auf andere Völker verteilt. Dies war ebenso nach der Sommerbehandlung mit Wirtschaftsvölkern der Fall, die ihre Königin verloren hatten. Mit den Brutwaben nimmt man natürlich auch Milben in die anderen Völker mit.
  • Manche Völker stehen so, dass sie nur früh morgens oder am späten Nachmittag Sonne bekommen. Sind die Wetterbedingungen schlecht, dann ist das natürlich ungünstig. Bei der Witterung, wie wir sie zum Zeitpunkt der Sommerbehandlung 2022 hatten, waren Standplätze mit Mittagssonne im Vorteil.

Räuberei gab es bei manchen Völkern auch noch, was an den Flügeln und Beinchen auf dem Bodenschieber zu erkennen war. Bei einem Volk war es so schlimm, dass die ganze Beute leergeräumt war - das ist dann noch ein Nachteil von dem sehr warmen Wetter im Oktober und November  :-(

Nachfolgend unsere Zählergebnisse. Ich würde mich freuen, wenn ihr mir Eure Ergebnisse mitteilt. Es ist immer gut zu wissen, ob man an seinem Varroa-Konzept etwas verändern sollte, oder ob man generell ein Bienenjahr mit vielen Milben in der Imkerei hatte...

Zurück

Kommentare

Kommentar von Bernd Leutert |

Hallo Wolfgang,
ich hatte die Winterbehandlung bei meinen Völkern am 17. Dezember bei -5 °C durchgeführt.
Vier Völker saßen in enger Traube.
Aber die anderen vier Völker waren voll aktiv über vier bis sechs Wabengassen. Beim öffnen der Zargen purzelten mir die Bienen in größerer Menge auf die Wiese heraus. Ich hatte ein ganz schlechtes Gefühl !

Den Milbenfall nach Behandlung habe ich nicht gezählt, aber jetzt den natürlichen Milbenfall über vier Tage.
Mit dem Ergebnis bin ich vorerst zufrieden. Fünf Völker mit Null Milben je Tag. Die anderen drei Völker hatten 0,8; 1,3 und 1,5 Milben je Tag. Diese werde ich aufmerksam beobachten.

Kommentar von Martin Möhle |

Dieses Jahr hatte ich WV bei denen weniger als 20 Milben bei der 2.AS-Behandlung fielen, bei der Winterbehandlung aber bis zu knapp 1000 Milben und Ableger mit natürlichem Milbenfall von 4VM in 6Tagen bei denen bei der AS dann bis zu 1000VM fielen.
Vor der Winterbehandlung fielen über 11Tage 0,1 bis 11 pro Tag, nach der Behandlung bis zu 1000.
Dabei fallen tendenziell bei denen mit höherem natürlichem Milbenfall schon auch mehr durch die Behandlung aber ein lineares, exponentielles oder logarithmisches Gesetz, das zur Grenzwertbestimmung taugt ist für mich nicht einmal ansatzweise erkennbar.
Das legt mir den Schluss nahe, daß der natürliche Milbenfall nur zu "wenig" oder "viel" korreliert und daher für mich allenfalls als Alarmsignal aber nicht als Entscheidungskriterium taugt und bestätigt mich, grundsätzlich immer die üblichen 2mal (bei WV) im Spätsommer/Herbst und einmal im Winter zu behandeln und vor allem den Milbenfall nach der Behandlung zu zählen (bis ca.400, alles andere ist eh viel zu viel) .

Kommentar von Wolfgang |

Hallo Martin,
das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Wir hatten mehrfach den natürlichen Milbenfall vor Sommer- und Winterbehandlungen gezählt und konnten ebenso keine vernünftige Korrelation erkennen. Ab und zu schauen wir uns den natürlichen Milbenfall an, um einen Hinweis zu haben ob die Belastung "eher hoch" oder "eher niedrig" ist.

Aus genau diesem Grund machen wir das, was Du genannt hast - wir behandeln zum passenden Zeitpunkt alle Völker ohne Ausnahme. Die Empfehlung mancher Bieneninstitute, nur "belastungsabhängig" zu behandeln, halte ich für gefährlich. Wir haben es oft erlebt, dass der natürliche Milbenfall sehr niedrig war, es bei der nachfolgenden Behandlung aber massenhaft Milben regnete.

Wer da "belastungsabhängig" behandelt, der kann böse Überraschungen erleben...

Einen Kommentar schreiben

Bitte rechnen Sie 9 plus 3.