Erste Ergebnisse der Winterbehandlung

von Wolfgang Mallin (Kommentare: 0)

Am 11.12.2021 haben wir knapp 7 Tage nach der Behandlung unsere erste Zählaktion durchgeführt. Nachfolgend stelle ich unsere Ergebnisse, sowie Beobachtungen dar. Da wir dieses Jahr mal wieder den natürlichen Milbenfall vor der Behandlung ermittelt hatten, wird in nachfolgenden Graphiken die Beziehung zwischen natürlichem Milbenfall vor der Behandlung zu der Anzahl der gefallenen Milben nach der Behandlung dargestellt.

Es ist hierzu anzumerken, dass nach unserer Erfahrung die Wirkung der OS-Behandlung etwa 20 Tage anhält. Die nachfolgenden Ergebnisse stellen nur die Anzahl der gefallenen Milben bei der ersten Zählung dar - wir werden nach ca. 20 Tagen nach Behandlung nochmals zählen. Die Anzahl der gefallenen Milben wird sich also noch erhöhen. Das ist i.A. im Zeitfenster 10...20 Tage nach der Behandlung nicht viel (exp. Funktion), aber auch nicht zu vernachlässigen.

Da die Anzahl der gefallenen Milben bei einigen Völkern jedoch so hoch ist, dass wir in jedem Fall eine zweite Behandlung durchführen werden, haben wir uns entschlossen heute schon die Ergebnisse darzustellen.

Auswertung Winterbehandlung 2021 - alle Völker
Auswertung Winterbehandlung 2021 - alle Völker

In der ersten Graphik sind alle Völker dargestellt. Was man hier schon erkennen kann, ist eine große Streuung sowohl in Anzahl der gefallenen Milben nach Behandlung, als auch in der Beziehung natürlicher Milbenfall zu Milbenfall nach Behandlung. Versucht man die Milbenbelastung im Volk über eine lineare Beziehung zu rechnen, dann sind die Fehler (inakzeptabel) groß.

Lessons learned

Was sagt uns das? Hat man geringen natürlichen Milbenfall, dann kann man eben NICHT davon ausgehen, dass wenig Milben im Volk sind. Genau deshalb halte ich nichts von Methoden der befallsabhängigen Behandlung - man kann den tatsächlichen Befall nicht sicher erfassen.

Natürlich gehört bei solchen Aktionen dazu, dass man VOR der Ermittlung des natürlichen Milbenfalls prüft, ob der Gitterboden sauber ist. Wenn dort viel Totenfall liegt und die Milben nicht durch das Gitter fallen, dann kann man sich die Zählerei sparen!

Auswertung Winterbehandlung 2021 - Ableger
Auswertung Winterbehandlung 2021 - Ableger

Um die ganze Thematik noch etwas besser zu verdeutlichen, sind in der zweiten Graphik die Milbenzahlen unserer Ableger dargestellt. Im Mittel sind hier die Zahlen deutlich geringer, aber es gibt wieder einmal zwei deutliche Ausreißer. Die Erfahrung lehrt, dass es solche Ausreißer leider immer wieder gibt.

Fatal ist hier, dass ein Ausreißer auch noch einen relativ geringen natürlichen Milbenfall hatte (knapp 0,3 Milben/Tag), er hat mit über 150 gefallenen Milben nach Behandlung bei der ersten Zählung aber bereits klare Anzeichen einer hohen Milbenlast. Bei einer befallsabhängigen Behandlung hätte man diesen Ableger nicht behandelt.

Auswertung Winterbehandlung 2021 - alle Wirtschaftsvölker
Auswertung Winterbehandlung 2021 - alle Wirtschaftsvölker

Zur Vollständigkeit hier noch die Auswertung für die Wirtschaftsvölker. Die Anzahl der gefallenen Milben am Standort Lug lag bei allen Völkern signifikant höher im Vergleich zu den Völkern an den anderen Standorten. Die Bienendichte am Standort Lug ist relativ hoch. Da in den letzten Tagen häufig von Völkerverlusten berichtet wurde, ist Re-Invasion als Ursache für die höhere Milbenbelastung nicht auszuschließen.

Diese Völker werden wir vor Jahresende nochmals behandeln. Die Daten zu diesen Auswertungen kann man hier einsehen...

Augen auf - was sonst noch zu beobachten war...

Wenn man die Bienen schon in ihrer Winterruhe stört, dann sollte man einen möglichst großen Nutzen davon haben. Man schaut sich also die Folie auf dem Volk an und prüft, ob dort auffällig viel Kondenswasser zu sehen ist - ein untrügliches Zeichen, dass noch Brut im Volk gepflegt wird.

Leider mussten wir bei einigen Völkern genau diese Beobachtung machen. Nachfolgend zwei Bilder, die den Unterschied zwischen einem Volk mit Brut und einem Volk ohne Brut verdeutlichen sollen.

Hat ein Volk jetzt noch Brut, dann muss man (leider) davon ausgehen, dass dieses Volk den gesamten Winter durchbrüten wird. Das freut natürlich die Varroamilbe, aber nicht den Imker. Bei solchen Völkern unbedingt eine Notiz in der Stockkarte machen und im nächsten Jahr frühzeitig eine Befallskontrolle durchführen.

Volk ohne Brut - wenig Kondenswasser an der Folie
Volk ohne Brut - wenig Kondenswasser an der Folie
Volk mit Brut - viel Kondenswasser an der Folie
Volk mit Brut - viel Kondenswasser an der Folie

Weiterhin kann man noch den Wintersitz kontrollieren. Das Gemüll auf dem Bodenschieber liefert ein deutliches Bild, falls man bei der OS-Behandlung kein klares Bild beim Blick von oben bekommt. Sitzt das Volk schön in der Mitte, dann kann es sich auf kurzem Weg von beiden Seiten mit Futter versorgen.

Sitzt es stark seitlich versetzt, dann werden bei verbrauchtem Futter die Wege immer länger. Kommt es im Frühjahr zu einem längeren Kälteeinbruch, kann dies zu einem Futterabriss führen. Solche Völker sollte man im Auge behalten (Notiz in Stockkarte!), ggf. an einem warmen Februartag die leeren Futterwaben entnehmen und die vollen Futterwaben in die Nähe des Brutnestes rücken.

Auf nachfolgenden Bildern sind zwei Beispiele dargestellt.

Idealer Wintersitz
Idealer Wintersitz
Ungünstiger Wintersitz (seitlich)
Ungünstiger Wintersitz (seitlich)

Die Glaubensfrage...

Wieviele Milben will man nach Abschluss der Winterbehandlung in den Völkern zulassen? Das ist jetzt wieder einmal eine Glaubensfrage, bei der es sicherlich -zig verschiedene Meinungen gibt. Und wie immer hängt das von unterschiedlichen Rahmenbedingungen ab. Ich nenne hier mal einige davon:

  • Will ich im Folgejahr in eine Spättracht (Wald) wandern, kann also erst spät gegen die Varroa behandeln?
  • Bin ich Standimker und nach der Früh- und Sommertracht (Juni/Juli) ist sowieso Schluss und die Behandlung kann frühzeitig erfolgen? Da die Entfernung zum Bienenstand gering ist, kann ich ohne größeren Aufwand eine Befallskontrolle machen...
  • Löse ich das Wirtschaftsvolk ggf. nach der Frühtracht auf, kann also frühzeitig behandeln?
  • Habe ich ein Volk mit einer Königin, von der ich nachziehen will und möchte gesunde Ausgangsbedingungen für die Zucht/Vermehrung?
  • Verkaufe ich die Jungvölker im Frühjahr und möchte möglichst gute Startbedingungen für die Käufer (...meist Neuimker mit wenig Erfahrung)?

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es grundsätzlich gut ist mit einer geringen Milbenzahl in die neue Saison zu starten. Es ist nur bedingt sinnvoll hohe Milbenzahlen in den Völkern zuzulassen und ab einer Befallsgrenze mit einer Behandlung den Milbenbefall zu reduzieren (...unsere persönliche Meinung!).

Mit den Milben kommen die Viren und ist der Milbenbefall hoch, dann ist auch die Verbreitung der Viren hoch. Den Milbenbefall kann ich durch eine Behandlung reduzieren - die durch die Milben entstehende Virenbelastung bleibt aber nach der Behandlung bestehen.

Die zweimalige Behandlung mit Oxalsäure wird von einigen Stellen als extrem schädlich dargestellt. Unsere Erfahrung ist das nicht! Ist die Anzahl der gefallenen Milben hoch, rechnen wir mit einem angenommenen Wirkungsgrad der Behandlung die vermutliche Anzahl der restlichen Milben im Volk aus und entscheiden auf Basis dieser Zahl, ob wir eine zweite OS-Behandlung durchführen.

Unsere Grenzwerte

Wir haben uns mit unseren Grenzwerten an den langjährigen Erfahrungen von Erich Schilling orientiert und fahren seit einigen Jahren sehr gut damit. Ich würde behaupten, dass wir die Varroa weitgehend im Griff haben, auch wenn wir mit den Völkern in eine Spättracht wandern. Unsere Grenzwerte für die restliche Milbenzahl im Volk sind:

  • bis 10 Milben => grün - keine weitere Behandlung
  • 11 bis 30 Milben => gelb - nochmalige Behandlung abhängig von der Volksstärke und ob die Milbenzahl an oberer oder unterer Grenze des Toleranzbandes liegt
  • über 30 Milben => rot - nochmalige Behandlung

Ein bissle Mathematik

Der Vollständigkeit halber noch den Rechenweg, wie man die Anzahl der restlichen Milben im Volk bestimmt.

Eta ... angenommener Wirkungsgrad der Behandlung (80% bei schlechten Bedingungen, 95% bei sehr guten Bedingungen)
Mbeh ... Summe der gefallender Milben nach der Behandlung
Mges ... Gesamtzahl der Milben im Volk VOR der Behandlung
Mres ... restliche Milbenzahl im Volk nach der Behandlung

Mges = Mbeh / Eta * 100

Mres = Mges - Mbeh

Die Wartezeit

Bei der Anwendung von Tierarzneimitteln sind die sogenannten Wartezeiten zu beachten. Es ist dies die Zeit zwischen dem Behandlungszeitpunkt und dem Zeitpunkt der Honigernte. Die für das jeweilige Behandlungsmittel gültige Wartezeit ist der Gebrauchsanweisung des Arzneimittels zu entnehmen. Nachfolgend zwei Beispiele.

Oxuvar Oxalsäuredihydrat 3,5%:
Keine konkrete Zeitangabe. Es wird lediglich angegeben, dass man bei Behandlung im Spätherbst erst im darauffolgenden Frühjahr Honig entnehmen darf. Ein Mittel für die Winterbehandlung und bei der Wartezeit wird von "Spätherbst" gesprochen - das soll verstehen, wer will :-(

Oxuvar 5,7%:
Wartezeit 0 Tage (!). Die Behandlung soll ohne aufgesetzte Honigräume erfolgen. Behandlungszeitraum November bis Januar.

Angaben gemäß Internetseite Firma Andermatt, Stand 24.12.2021

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