Öfter mal was Neues...

von Wolfgang Mallin (Kommentare: 2)

Thermo-Schied mit Dämmstoff Holzfaserwolle
Thermo-Schied mit Dämmstoff Holzfaserwolle

Angeregt von verschiedenen Hinweisen erfahrener Imker hatten wir uns entschlossen, dieses Jahr die Betriebsweise mit dem Einsatz von Schieden auf zwei Zander-Magazinen auszuprobieren. Zu diesem Zweck haben wir im Winter Thermo-Schiede aus Zanderrähmchen ohne Hoffmannseiten gebaut.

Auf die Rähmchen wurde passend zugesägtes Birken-Sperrholz getackert, als Isolationsmaterial wurde der biologische Dämmstoff Holzfaserwolle benützt. Von der Verwendung von Thermo-Schieden aus Styrodur haben wir nach einem Studium der bei diesem Material verwendeten Weichmacher lieber die Finger gelassen - eine schlechte Erfahrung bei der Verwendung von Kunststoffschalen im Bienenvolk reicht.

Nochmals vielen Dank an Hubert und Peter für die Holzfaserwolle!

Bastel-Einsatz am Wochenende
Bastel-Einsatz am Wochenende

Mühsame Handarbeit

Die einhundert Thermo-Schiede zu bauen, war dann doch zeitaufwändig - aber mit tatkräftiger Unterstützung von Faik Türedi ging es recht flott und die Sache war an einem Samstag erledigt. Wie sich später gezeigt hat, war es die richtige Entscheidung für die Thermo-Schiede nicht das billigere Pappelsperrholz zu verwenden, sondern stabileres Birkensperrholz.

Werden die Thermo-Schiede im Bienenvolk verkittet und kleben an den Rähmchen, dann wird beim unvorsichtigen Auseinandertrennen das Sperrholz am Thermo-Schied abgezogen. Es sollten daher kräftige Klammern für die Sperrholzplatten verwendet werden und wenn man diese auftackert, ist es von Vorteil, wenn das Sperrholz stabiler ist. Ich könnte mir auch vorstellen, das bei weicherem Pappelsperrholz das Furnier abgerissen wird, wenn der Thermo-Schied vom daneben liegenden Rähmchen getrennt wird.

Frühes Aufsetzen der Honigmagazine war möglich
Frühes Aufsetzen der Honigmagazine war möglich

Positive Effekte im Einsatz

Anfang März haben wir unsere Wirtschaftsvölker dann mit Hilfe der Thermo-Schiede auf zwei Zandermagazinen eingeengt. Je nach Volksstärke waren es 5...6 Waben je Magazin. Im Verlauf des Frühjahrs wurde dann je nach Entwicklung des Volkes erweitert, die Mehrzahl der Völker hatten wir in der Saison auf 7 Brutwaben im unteren und oberen Brutmagazin - also in Summe 14 Waben.

Die Entwicklung der Völker war auffällig gut und wir waren sehr verwundert, dass über die ganze Saison überhaupt kein Schwarmtrieb festzustellen war. Da wir in einem Volk die Zucht im weiselrichtigen Volk im Schwarmtrieb ausprobieren wollen, hatten wir in diesem Volk sogar noch Brutbretter zugehängt - dafür Futterwaben am Rand entnommen. Selbst dieses Volk mit einer Königin aus 2017 zeigte keinerlei Anzeichen von Schwarmtrieb.

Frühjahrsentwicklung und Frühtracht-Ertrag waren auffällig gut
Frühjahrsentwicklung und Frühtracht-Ertrag waren auffällig gut

Mehr Honig?

Ob mit dieser Betriebsweise mehr Honig geerntet werden konnte, können wir nicht bewerten. Hierzu müsste man eine größere Anzahl Völker am selben Standort führen, zusätzlich noch eine gleiche Anzahl Völker als Vergleichsgruppe, die nach der bisherigen Methode geführt werden. Hierzu fehlen uns sowohl Bienen als auch Zeit.

Unser Ziel war auch nicht die Maximierung des Honigertrages. Durch Gespräche mit Manfred Riedel und Dr. Horn, sowie eigene Beobachtungen wollten wir einfach einmal das umsetzen, was offensichtlich die Bienen wollen - ein kugelförmiges Brutnest, welches nicht durch ein Absperrgitter auf ein Magazin begrenzt wird und dicht besetzte Wabengassen.

Viel Honig bringt nur ein Bienenvolk, dass sich wohl fühlt. Nimmt man den Honigertrag als Bewertungskriterium, dann scheint die Methode des Schiedens auf zwei Magazinen den Bienen zu gefallen.

Wildbau wird angelegt, wenn Wabenzahl im ersten und zweiten Magazin nicht gleich ist
Wildbau wird angelegt, wenn Wabenzahl im ersten und zweiten Magazin nicht gleich ist

Sonstige Erfahrungen

Was uns im Verlauf der Saison mit dieser Betriebsweise sonst noch aufgefallen ist:

  • Die Wabenanzahl im oberen und unteren Brutmagazin muss gleich sein, sonst fangen die Bienen an Wildbau anzulegen.

  • Die Honigmagazine werden schwerpunktmäßig im Bereich über der Brut belegt. Die Honigrähmchen über dem Freiraum werden ungern angenommen. Vermutlich wird dort eingelagerter Honig auch einen höheren Wassergehalt haben (...haben wir leider vergessen zu überprüfen).

  • Für den Transport müssen die Waben fixiert werden. Theoretisch müssten die Rähmchen durch das Propolis gut aneinander haften, aber für eine längere Wanderung (...wir waren in der Pfalz) war uns das zu gefährlich. Wir haben daher kleine Stahlnägel als Anschläge verwendet.

  • Bei der Varroabehandlung mit Ameisensäure muss der Freiraum neben den Brutwaben bzw. dem Thermo-Schied abgedeckt werden, sonst fällt die Säure wirkungslos im Freiraum nach unten und durchströmt nicht das Brutnest.

  • Ältere dunkle Brutwaben kann man im Sommer hinter das Thermo-Schied hängen und die Brut auslaufen lassen, bevor man sie entnimmt. Hat die Königin genug Platz im Brutnestbereich, geht sie nicht über das Schied.

  • Löst man im Spätsommer ältere Völker auf, dann kann man mit noch verwendbaren Waben die restlichen Völker wieder auf 9 bzw. 10 Waben aufstocken, damit genug Platz für das Winterfutter entsteht.

  • Sehr angenehm ist, dass durch den Schied keine Dickwaben am Rand entstehen. Kein Verbau von Waben mit der Magazinwand auf der Seite des Thermo-Schieds (...was sonst gerne mal Sauerei verursacht).

Durch die in Summe positiven Erfahrungen haben wir uns entschlossen mit dieser Betriebsweise auch in die nächste Saison zu gehen. Wir sind gespannt, ob wir dann wieder so wenig Schwarmtrieb an den Völkern feststellen.

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Kommentar von Bernd Leutert |

Hallo Wolfgang,
danke für diesen ausführlichen und informativen Bericht.

Auch ich habe dieses Jahr meine sieben Wirtschaftsvölker mit Schieden eingeengt. Allerdings nur auf einer Zarge mit 6 bis 8 Brutwaben. Dies war für zwei aufgesetzte Honigräume ausreichend. Die Ernte lag bei mir im jährlichen Mittel (natürlich auch besser, als die Ernet im letzten Jahr).

Königinnen hatte ich von 2017, 2018 und 2019. Auch bei meinen Völkern kam kein Schwarmtrieb auf. Entweder haben wir ein besonderes Jahr (vom Wetter her allemal). Oder es greift die Erklärung, dass im eingeengten Raum die Pheromone der Königin so intensiv bleiben, dass die Schwarmstimmung stark gedämpft wird.

Über den Winter gehe ich wieder mit zwei Zargen, eingeengt auf 8+8 Waben. Diese werden dann im Frühjahr auf ein Zarge mit 5 bis 7 Waben reduziert.

Es war mein erstes Versuchsjahr mit dieser Methode. Aus meiner Sicht erfolgreich. Ich werde es nächstes Jahr auf jeden Fall weitführen und beobachten.

Mit herzlichem Imkergruß
Bernd

Kommentar von Andreas Kaiser |

Hallo Herr Mallin!
In diesem zweiten Jahr mit Schieden fand sich bei den Wirtschaftsvölkern wie oben schon beobachtet kein Schwarmtrieb.
Der enger geführte Brutraum lässt die Pheromondichte der Königinnen offensichtlich ansteigen. Dabei war auch eine Königin von 2018.
Vom Honigertrag war ich positiv überrascht. Bei meiner kleinen Völkerzahl werde ich aber keine Versuchsreihe machen.
Was mir aufgefallen ist. Am liebsten hatten sie am Brutnest Schiede aus Vollholz. Da ich modifizierte Hoffmannrähmchen auf Zander habe, konnte ich keine Unterschiede zwischen Pappel und Kiefersperrholz entdecken, außer dass Kiefer gleichmäßiger probolisiert wurde.
Ich versuche, mit Schieden bis zu zur Aussenwand aufzufüllen oder hinter das Schied kommt auslaufende Brut in alten Waben.
Aus alten wackeligen Rähmen lassen sich immer noch Schied bauen. Sie sollten natürlich eine Isolationsfüllung bekommen. Von Styrodur, Holzfaser, Vollholz bis zu Roggenstroh habe ich schon alles probiert. Gravierende Unterschiede liessen sich noch nicht feststellen.
Herzliche Grüße
Andreas