Varroa-Behandlung am Limit

von Wolfgang Mallin (Kommentare: 0)

Was soll man tun, wenn Tag um Tag dahin zieht und es nicht kühler werden will, damit man die Varroa-Behandlung mit Ameisensäure beginnen kann. Der erfahrene Imker weiß, dass die Gefahr für das Bienenvolk mit jedem Tag der Verzögerung steigt. Also fängt man irgendwann trotzdem an...

Also haben wir am 19.08.18 die Nassenheider Verdunster auf unsere Wirtschaftsvölker gestellt und die Behandlung trotz angesagter Tageshöchsttemperaturen von über 30°C begonnen. Wohl war uns nicht dabei...

Obwohl wir immer geprüfte Doche im Nassenheider verwenden (...Begründung kann man hier lesen), sind wir doch in kurzen Abständen an den Bienenstand gegangen um den Verlauf und die Verdunstungsmenge zu prüfen. Schon mit bloßem Auge kann man erkennen, dass diese Behandlung Stress für die Bienen bedeutet.

Es ist mittlerweile schon zu einer Marotte geworden, dass wir die spezifische Verdunstungsmenge der Verdunster kontrollieren - die schlechten Erfahrungen machen einen vorsichtig. Wir konnten aber bei unseren Kontrollen feststellen, dass die spezifischen Mengen auch bei diesen hohen Temperaturen sich im Rahmen halten, wenn man ausgewählte Dochte verwendet.

Überrascht waren wir, als wir die Deckel angehoben hatten (...wir verwenden dafür immer umgedrehte Futtermagazine). Obwohl eine große Anzahl von Bienen vor dem Flugloch außen am Kasten saß, war das obere Magazin gut besetzt und die Bienen saßen sogar direkt auf dem Verdunster. Schon kamen Zweifel auf, ob wir überhaupt Ameisensäure erwischt hatten - einmal kurz die Nase dran gehalten, machte uns unmissverständlich klar, was in den Verdunstern ist.

Die spezifischen Verdunstungsmengen (Dochtgröße 3) lagen trotz der hohen Außentemperaturen alle in einem vertretbarem Rahmen. Das Patent des Nassenheiders spielt offensichtlich auch bei diesen ungünstigen Rahmenbedingungen seinen prinzipbedingten Vorteil aus - die Verdunstungsmengen bleiben weitgehend unabhängig von der hohen Temperatur. Wir waren beruhigt.

Unklar war uns allerdings, warum bei vergleichbarer Umgebungstemperatur im Zeitfenster zwischen der ersten und zweiten Kontrolle deutliche höhere Verdunstungsraten erreicht wurden.

Und natürlich zieht man dann auch die Bodenschieber und kontrolliert, was an Milben fällt. Das linke Bild zeigt ein Volk mit relativ geringer Milbenlast. Man kann zwar einige dunkle Punkte (Milben) auf dem Schieber erkennen, das ist aber alles noch unkritisch.

Leider gibt es aber auch immer wieder negative Ausreißer mit sehr vielen Milben, obwohl man eigentlich alle Völker gleich behandelt. Das sieht man hier auf dem rechten Bild. Da das Gelände leicht nach vorn abschüssig ist, hat sich am vorderen Rand des Bodenschiebers sogar schon eine dicke Schicht Milben gesammelt. Das wird für dieses Volk kritisch - ist mehr als 6% der Brut mit der Varroamilbe parasitiert, dann sinken die Überwinterungschancen für das Volk drastisch.

Hier noch eine Nahaufnahme von den "lieben Tierchen" - der Geisel der Imkerei :-(
(Ein Bildausschnitt des Bodenschiebers oben rechts)

Die Zeit der Behandlung ist für uns immer eine sorgenreiche Zeit. Man sieht, dass es Stress für die Bienen bedeutet und leidet mit. Aber es hilft nichts - will man das Volk nicht an der elendigen Milbe eingehen lassen, dann muss man ihm diese Belastung zumuten.

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