Wenn Bienen nicht zur Ruhe kommen

von Wolfgang Mallin (Kommentare: 0)

Flugbetrieb am 13.11.2020 mit deutlichem Polleneintrag
Flugbetrieb am 13.11.2020 mit deutlichem Polleneintrag

13.11.2020, 12:30 Uhr. Das Thermometer zeigt 17°C. Es herrscht reger Flugbetrieb und ein deutlicher Polleneintrag ist festzustellen. Das deutet darauf hin, dass die Bienen weiterhin eifrig brüten. Rechnet man 21 Tage dazu, dann landet man theoretisch beim 04.12.2020. An diesem Tag wird die Brut schlüpfen, die heute gelegt wurde.

Der Wetterbericht sagt sonnige 16°C für das Wochenende voraus. Auch in den nächsten Tagen ist kein Nachtfrost in Sicht. Die Bienen werden nicht zur Ruhe kommen, ein Ende der Brutaktivität ist nicht zu erwarten. Man darf gespannt sein, wie sich das auf den Zeitpunkt der Winterbehandlung auswirkt.

Ist die Länge des Tages für die Bienen maßgeblich oder die Außentemperatur, um in die Winterpause zu gehen? Wir werden sehen...

Veränderungen

Ob Klimawandel oder nicht, darüber dürfen sich gerne andere streiten. Tatsache ist, dass wir in den letzten Jahren häufiger folgende Veränderungen der Witterung feststellen:

  • Das Frühjahr kommt manchmal schlagartig. Innerhalb von wenigen Tagen kann es von kaltem Wetter mit deutlichen Minustemperaturen zu einer Warmwetterperiode mit Tagestemperaturen von über 20°C wechseln.
  • Der April kann Phasen mit Sommertemperaturen haben (Tageshöchsttemperatur >= 25°C). Kern- und Steinobst blühen gleichzeitig und ihre Blühphase dauert aufgrund der warmen Temperaturen nur knapp zwei Wochen.
  • Die Trockenphasen ohne bzw. ohne nennenswerten Regen in den Monaten Juni, Juli und August können über mehrere Wochen dauern.
  • Im Juli und August können über mehrere Tage Hitzeperioden mit Tageshöchsttemperaturen auftreten, die bis an die 40°C-Grenze gehen.
  • Die Monate bis zum Jahresende sind häufig ohne Frost. Selbst Nachtfröste sind selten. In den Monaten Oktober und November gibt es häufig Tageshöchsttemperaturen deutlich über 10°C.
  • Frostige Wintertage sind selten, kommen häufig erst Ende Januar bis Mitte Februar.

Betriebsweise überdenken?

Die Vorgänge in einem Bienenvolk sind sehr stark mit der Natur und damit auch mit der Witterung verbunden. Was heißt das für uns Imker, wenn mit diesen Änderungen der Witterung häufiger gerechnet werden muss? Müssen wir unsere Betriebsweise überdenken und mehr der geändernden Witterung anpassen?

Nachfolgend habe ich einmal meine Gedanken formuliert, was die veränderte Witterung für Folgen für das Bienenvolk haben kann und mit welcher Maßnahme ggf. darauf reagiert werden könnte. Diese Gedanken erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wie so oft gilt auch hier der Spruch:
"Drei Imker - fünf Meinungen!"

August 2020 - Bienenweide total vertrocknet. Hier ist kein Körnchen Pollen mehr zu finden.
August 2020 - Bienenweide total vertrocknet. Hier ist kein Körnchen Pollen mehr zu finden.

Schneller Wechsel von Winter auf warmen Frühling

Folge:
Die Blühphase der Obstbäume ist kurz, schwache Völker haben nicht ausreichend Zeit auf Trachtstärke zu kommen. Bis die Völker eine vernünftige Trachtstärke haben, ist die Obstblüte vorbei. Die Frühtracht beschränkt sich mehr oder weniger auf den Raps, sofern man überhaupt welchen im Flugkreis der Bienen hat.

Maßnahme(n):
Nur starke Völker einwintern. Schwache Völker auflösen oder vereinigen. Gehen die Völker witterungsbedingt Mitte/Ende Februar verstärkt in Brut, kann man sie darin unterstützen indem man den Bodenschieber schließt und isolierendes Material in den Deckel legt.

Im Vergleich zur Buckfast hat die Carnica eine dynamischere Entwicklung im Frühjahr. Sie wäre also für den genannten Witterungseffekt die geeignetere Biene in der Frühtracht.

Trockenphasen im Juni/Juli/August

Folge:
Durch Trockenheit blühen sehr wenige Pflanzen. Es herrscht Pollenmangel. Das trifft vor allem die Ableger, die dadurch in ihrer Entwicklung gebremst oder gar abgestoppt werden. Kein Pollen => kein Eiweiß => keine Brut.
Sind die Trockenperioden lang, dann fällt meist auch die Sommertracht aus. Das kann so weit gehen, dass sich die Völker nicht selbst ernähren können.

Maßnahme(n):
Ableger möglichst früh bilden. Mitte bis Ende Mai, spätestens Anfang Juni. Zu dieser Zeit sind i.A. noch genug blühende Pflanzen für die Versorgung der Ableger vorhanden. Wenn Ableger spät gebildet werden, dann mit stärkerer Population damit der Eintrag von ausreichend Winterfutter gewährleistet wird.
Wirtschaftsvölker bei der Frühtrachternte nicht völlig "blank" machen. Was in den Brutmagazinen ist, den Völkern belassen. Gewicht der Völker auch im Sommer kontrollieren und ggf. Notfüttern.

Hitzeperioden im Juli/August

Folge:
Starker Hitzestress für die Völker, die in der Sonne stehen. Solche Völker gehen u.U. vollständig aus der Brut. Es werden wenig Winterbienen ausgebrütet, die Volksstärke der Ableger nimmt ab statt zu.

Maßnahme(n):
Völker an schattigem Platz aufstellen oder für Schatten sorgen. Ideal ist morgens Sonne und ab Mittag Schatten. An Wanderbienenständen oder kleinen Bienenhäuschen für Lüftung sorgen (z.B. Klappe hinten offen lassen), damit sich kein Hitzestau bildet.

Für Wasser in der Nähe des Bienenstandes sorgen, die Bienen brauchen es zur Kühlung. Wassertränke sonnig und nicht in der Flugbahn der Bienen aufstellen. Dran denken - ist die Trockenperiode länger, dann sind auch die Wasserfässer in den umliegenden Gärten leer!

September 2020 - die Pollensammlerinnen sind wieder unterwegs
September 2020 - die Pollensammlerinnen sind wieder unterwegs

Warmer Herbst, kein Frost bis Ende Dezember

Folge:
Die Bienen kommen nicht zur Ruhe, die Brutaktivität dauert auch im Oktober und November an. Es herrscht Flugbetrieb und die Bienen holen Pollen von Zwischenfrucht, die jetzt blüht (z.B. Senf). Die Völker werden stärker, eine nennenswerte Anzahl Winterbienen entsteht erst im Oktober und November. Der Futterverbrauch ist durch die Brutaktivität und dadurch notwendige Heizleistung überproportional hoch. Die Phase der Brutfreiheit für die Winterbehandlung ist sehr kurz oder fällt gar völlig aus (...ganz schlecht!).

Maßnahme(n):
Größzügigere Einfütterung für den Winter um Reserven zu schaffen. Geht man nicht in den Wald, kann man die Wirtschaftsvölker nach der letzten Honigernte ggf. noch Futterwaben produzieren lassen, die man dann als Reserve für eine eventuelle Notfütterung im Frühjahr einlagert.

Möchte man die späte Brutaktivität unterstützen, weil sich die Völker (Ableger) in den Sommermonaten schlecht entwickelt haben, dann lässt man den Boden geschlossen und legt isolierendes Material den Deckel. Die Mäusegitter am Flugloch werden erst angebracht, wenn tagsüber kein Flugbetrieb mehr herrscht. Ab Mitte November sollte man die Völker aber kalt stellen (Boden auf, Iso-Material raus aus dem Deckel), damit man im Dezember die Brutfreiheit erreicht.

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